Urlaub und andere Katastrophen
Herbst in den Dolomiten

Diesmal schien uns der Wettergott hold zu sein.
Bei herrlichsten Sonnenschein erreichten wir das Alpenland.
Nur oben auf den Bergesgipfeln lag schon verdammt viel Schnee.
Es war schon dunkel, als wir den letzten Pass überquerten.
Nun gings bergab ins Zoldiner Tal und weiter, eine schmale dunkle Straße hinauf bis zur Sperrscheibe.
Am nächsten morgen hatte sich der Himmel schon etwas zugezogen. Die Berge reckten ihre Spitzen in die grauen Wolkenfetzen.
Im Talesgrund war alles feucht vom Morgentau. In seiner Klamm rauschte ein wilder Gebirgsbach.
Mit Verpflegung für 3 Tage marschirten wir los. Anfangs führte der Weg durch herrlich bunten Herbstwald , gab hin und wieder den Blick auf die umliegen Berge oder einen Wasserfall frei.

Weiter oben kam ein Stück Klettersteig, dann wanderten wir zwischen Lärchen und Kiefern hindurch hinauf zum Pass , wo die Pramperhütte steht.
Bei der Mittagspause überaschte uns ein Regenguss.

Nachdem wir ins nächste Tal ,hinab zur Pramperalm , gestiegen waren folgte nun ein Wegabschnitt, der mehr Kraft und Aufmerksamkeit vorderte. Ständig ging es auf und ab, schlängelte sich der Pfad um oder über eine Bergzunge.
Als Entschädigung für al diese Mühen taten sich auch immer wieder neue Ausblicke auf. Gegen 18.00 Uhr erreichten wir endlich eine Biwakhütte in aussichtreicher Lage.

Nachts regnete es, doch am Morgen war nur noch leichtes Nieseln übrig. Wir stiegen hinauf Richtung Pass "LA Porta". Die Wolken hingen tief, bald waren wir von ihren Schwaden umgeben, was die Orientierung nicht erleichterte. Doch fanden wir schließlich den richtigen Weg und erreichten die Scharte. Es regnete mal wieder . also hielten wir uns nicht länger auf , sondern steigen auf der anderen Seite des Gebirgskamms wieder hinab. Zuerst über Schnee und Geröllhänge, dann nahm die Vegetation wieder überhand. Nach einer heiklen Schlucht mit anschließenden kühnen Felsband erreichten wir einen häufiger begangenen Weg dem wir durch dichten Wald und über weite Geröllhänge Richtung Moschesinpass folgten. Wieder begann es zu regnen. Es schüttete bereits,als wir die verlassene Moschesinalm erreichten. Und da hier alles vorhanden war, was man zum übernachten benötigt, blieben wir auch gleich.

Die ganze Nacht schüttete es wie aus Eimern. Doch am Morgen schien der Spuck vorbei zu sein.
Die Wolken schienen nach Norden abzuziehen und der blaue Himmel nahm immer mehr überhand.

Da Andreas die letzten beiden Tage schon jedesmal an sein Limit gelangt war zog er für den letzen Tourentag die kürzeste Variante vor .
Ich wollte noch die Talvenagruppe überschreiten. Zunachst führte der Weg aber zum Moschesinpass hinauf, kurz unterhalb die Moschesinüberschiebung, zu erkennen an einem markanten Gesteinswechsel. Hier hat sich der ältere Hauptdolomit über jüngere Kalksteinschichten geschoben, gewissermaßen das geologische Südende der Dolomiten.

Nach dem Pass führte der Weg zunächst durch von glitzernden Tropfen geschmüchtes Lärchengehölz Richtung Pramperpass.

Dann bog ich nach rechts ab. Nun gings immer steiler bergauf. Die Vegetation wurde dürftiger , schließlich säumten nur noch Schnee und Steine das , was vom Weg übriggeblieben war. Ich erreichte einen grasigen Felsgrat, folgte ihm ein Stück. Nun war der Weg wieder deutlicher zu erkennen, querte den Hang hinüber zu einer Scharte.

Nun konnte man weit unten ein Tal mit buntgefärbten Herbstlaub erkennen. Doch zuvor mußte ich, von vielen Gemsen beobachtet, noch ein ganzes Stück absteigen. Als mein Magen gerade zur Mittagsrast mahnte erreichte ich das Rifugio Pian de Fontana. Es hatte auch wieder zu regnen begonnen. Und den ganzen folgenden Absteig durch ein schönes Tal hörte es auch nicht wieder auf.
Gegen 15.00Uhr war ich zurück am Auto. Andreas traf erst eine reichliche Stunde später ein. Wir packten alles ins Auto, wollten losfahren , doch es sprang nicht an. Zuviel Kondenswasser im Motorraum. Wir standen buchstäblich im Regen.
Nach einem vergeblichen Versuch ,das Fahrzeug zum nächsten Ort zu schieben blieb nur der Fußmarsch dorthin. Die hilfsbereiten Dorfbewohner brachten uns zu einer des Deutschen mächtigen Oma. Hier warteten wir bei Kaffee mit Grappa auf das Abschleppfahrzeug.
Es war schon Stockfinster, als mein Auto verladen war. Nun wartete in Longarona eine warme Trockene Werkstatt auf das wasserscheue Gefährt. Wir übernachteten im Zelt, am Fluß, nicht weit entfernt vom Stadtzentrum.

Den folgenden Vormittag verbrachten wir in den Bar's der Stadt. Erst gegen 10.30 Uhr sollten wir wieder in die Werkstatt kommen. Endlich war es soweit. Gespannt betraten wir die Halle. Doch alle Sorgen waren unnötig gewesen. Mein Auto blubberte schon gemütlich vor sich hin. "Aqua" sagte der Werkstattmeister, nur Wasser, und kassiete freudig 190. Drausen regnete es in Strömen. Wir fuhren nach Hause.